Stromversorgung Wannweil, die Anfänge 1909

Bild 2019100104 Kraftwerk Kirchentellinsfurt um 1933

100 Jahre Kraftwerk Kirchentellinsfurt. 1926 wurde das Wasserkraftwerk der 1924 gegründeten „Kraftwerk Reutlingen-Kirchentellinsfurt AG“ in Betrieb genommen. Über ein Wehr im Neckar wird das Wasser auch heute noch in einem zwei Kilometer langen Kanal zu zwei Doppel-Francis-Zwillingsturbinen geleitet. Das Kraftwerk war damals schon mit einer Pumpspeicher-Technologie ausgerüstet. Auf der Höhe des Einsiedels wurde ein 310 000 cbm fassender Speichersee angelegt. Nach einem Dammbruch 1938 wurde die Fassung auf 120 000 cbm reduziert. Der Strom wurde damals über eine Starkstromleitung auf Stahlbetonmasten durch Kirchentellinsfurt über Wannweil nach Betzingen geleitet. Heute fließt der Strom zum Umspannwerk Mark-West.

Bild 29011308 Aufnahme 1927 Karl Ott.
Das Wehr mit der Abzweigung des 2 Kilometer langen Kanals zum Kraftwerk.

In Wannweil gab es seit Januar 1909 eine öffentliche Stromversorgung, zuerst durch die obere Mühle mit 10 Straßenlampen, die Hausanschlüsse durch die Elektrische Kraftübertragung Herrenberg eGmbH. Die beiden Fabriken im Ort hatten eigene Energieversorgung durch Wasserkraft an der Echaz. Wie fragil die Stromversorgung 1928 war, zeigt eine Verordnung des E. K. Herrenberg eGmbH an das Bürgermeisteramts Wannweil. In der Erntezeit durften nicht alle Bauern gleichzeitig elektrisch dreschen, ebenso durften die Mühlen während der Dreschzeit nur nachts elektrisch mahlen. Das Netz wäre sonst zusammengebrochen. Ein Stromausfall damals hätte für die Privathaushalte, die meisten hatten nur Lichtstrom, allerdings keine schlimmen Auswirkungen gehabt. Die Erdöllampen waren noch griffbereit im Haus.

Dokumente: Gemeindearchiv Wannweil A97


Die Elektrische Kraftübertragung Herrenberg eGmbH. war eine Genossenschaft und wurde am 23. September 1905 im Herrenberger Rathaus gegründet und gilt als das erste kommunale Überlandwerk Württembergs. Die Gründer waren Landwirte, Gewerbetreibende und über 30 Gemeinden aus der region Tübingen, Rottenburg und Herrenberg. In den Jahren 1905 bis 1920 lag der Verwaltungssitz im nahegelegenen Unterjesingen (im Wohnhaus des Schultheißen Wizemann in der heutigen Jesinger Hauptstraße). Erst später zog die Verwaltung direkt nach Herrenberg. Der Strom wurde unter anderem im Wasserkraftwerk Kiebingen am Neckar erzeugt und über ein eigenes Verteilernetz, auch nach Wannweil, weitergeleitet. Die E.K. Herrenberg eGmbH ging 1941 in der EVS AG, heute EnBW, auf. Schon seit vor 1941 bezieht Wannweil den Strom von den Stadtwerken Reutlingen, heute von deren Tochter FairEnergie GmbH.

Bild 2019100121 Dreschmaschine vor dem Bauernhaus des Christian Raiser in der Dorfstraße.
Hier allerdings mit Antrieb über einen Langriemen durch einen „Lanz-Bulldog“. Das Dreschen mit der Dreschmaschine war ein Ereignis für die ganze Nachbarschaft, welche gerne Hand anlegten. Die Dorfjugend ließ sich dieses laute Spektakel nicht entgehen, die eigenen Kinder durften mithelfen.

Bild 2001080123 Aufnahme 2001, kurz vor dem Abbruch der Scheunen in der Degerschlachter
Straße 5-7. Die meisten Bauern hatten schon früh, nach dem ersten Weltkrieg, einen Elektromotor. Über einen Langriemen wurde eine Transmission angetrieben, an welche zum Beispiel die Futterschneidmaschine und in der Erntezeit auch eine Dreschmaschine angekoppelt werden konnte. Der im Bild gezeigte Drehstrommotor wird aus den 50er.Jahren sein, die Transmission ist wesentlich älter.