Alle Beiträge von Walter Ott

Der „Arbeitsdienstweg“ im Weilhau

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Arbeitsdienst Wannweil beim Wegebau des sogenannten Arbeitsdienstweges. Aufnahme Juni 1933.  Album Paul Rilling, Wannweil. Bild 89010311

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Aufnahme Juni 1933.  Album Paul Rilling, Wannweil.  Beschriftung: „Zum Andenken an den Arbeitsdienst, 35 Mann in Wannweil, 3. März bis 15. Juni 1933. Bild 89010311

Bürgermeister Zanzinger schreibt in seiner Chronik:
Bereits im Februar 1933, als die Arbeitslosigkeit noch im Höchststand war, beschloss die Gemeindeverwaltung, wenigstens den jüngeren Männern unserer Gemeinde Arbeit zu schaffen und zwar durch die Errichtung eines halboffenen Lagers des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Als Arbeit wurde der Bau eines Waldwegs im Waldteil Spitalwald und Weilhau vorgesehen. Der Zustand dieses Weges ließ schon seit längerer Zeit zu wünschen übrig. Nach den erforderlichen Genehmigungen durch das Arbeitsamt konnte das erste freiwillige Arbeitslager am 1. März 1933 eröffnet werden. Etwa 37 junge Männer der Gemeinde wurden in dem Lager zusammengefasst und arbeiteten nunmehr jeden Tag 6 Stunden an dem Waldweg. In der ganzen Gemeinde wurde es wohltuend empfunden ‚ dass wenigstens einmal diese jungen Männer von der Straße verschwunden waren.
Morgens wurden 6 Stunden gearbeitet‚ Dann war gemeinschaftliches Mittagessen in der Wirtschaft zum Adler. Adlerwirt Künstle kochte zu Mittag und erhielt für jedes Mittagessen 45 Rpf. Nachmittags war 2 Stunden Dienst und zwar Sport, Spiel oder Vorträge. Die Leitung des Lagers erfolgte durch das Heimatwerk Stuttgart. Lagerführer war ein arbeitsloser Dip. Ing., Richard Krauss von Nürtingen, der das Lager in vorbildlicher Weise geleitet hat.
Dieses halboffene Lager wurde bis 15. Juni 1933 fortgeführt, an diesem Tag wurde der Arbeitsdient eingestellt, da von diesem Zeitpunkt ab halboffene Lager nicht: mehr zulässig waren. Die Kosten betrugen für die Gemeinde in dieser Zeit rund -1.000 RM ‚ ein geringer Betrag, wenn man die geleistete Arbeit und vor Allem die Tatsache in Betracht zieht, dass die vielen jungen Menschen erstmals wieder an Arbeit gewöhnt wurden. Nach Einstellung des Freiwilligen Arbeitsdienstes beschloss die Gemeindeverwaltung die Weiterführung der Arbeiten als Notstandsarbeit, da die Arbeitslosigkeit immer noch sehr stark war. Mit der Notstandsarbeit wurde am 17. Juli 1933 begonnen. Dabei wurden durchschnittlich 30 Arbeiter bis zur Fertigstellung des Waldwegs beschäftigt. Die Fertigstellung erfolgte im März 1934. Vielen Familien konnte so über den Winter Arbeit und Brot gegeben werden. Die Steine für den Waldwegbau wurden aus dem neu eröffneten Steinbruch am Ende des Weges, im Spitalwald‚ gewonnen. Fronmeister Lutz hat die Notstandsarbeiten gut und fachmännisch durchgeführt. Die Gesamtkosten des Waldwegs betrugen 22.407 RM, wozu das Reich insgesamt 14.074 RM Beiträge gewährt hat. Der Restaufwand der Gemeinde betrug somit 8.333 RM ‚ wobei vor Allem zu bemerken ist, dass die Verbesserung des Holzabfuhrweges bereits im Jahr 1932 in kleinerem Maßstab mit einem Voranschlag von 6.000 RM geplant war. Dieser erweiterte Bau des Waldwegs hat in der seinerzeitigen trostlosen Zeit vielen Arleitswilligen unserer Gemeinde Arbeit verschafft und trotzdem nur einen Mehraufwand von ca. 2.000 RM verursacht. Diese Arbeit diente also überwiegend der Betreuung der Arbeitslosen und hat in dieser Zeit ihren Zweck voll erfüllt.“

Quelle: Zanzingerchronik Wannweil

 

Erntedank in Wannweil

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Ein reich geschmückter Altar war heute beim Erntedankgottesdienst in der Ev. Johanneskirche anzutreffen.

Am Sonntag nach Michaeli feiert die Ev. Landeskirche in Württemberg das Erntedankfest. Hier in Wannweil traditionell eine Woche später, das war heute am 17. Sonntag nach Trinitatis, dem 12. Oktober 2014.  Das Entedankfestwurde in Preußen 1773 offiziell eingeführt und auf den Sonntag nach Michaelis festlegt.

Sicherung der Ernte 1915

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Mitteilung vom Königlichen Oberamt Reutlingen an die Gemeinde Wannweil

Das Schreiben endet mit Ziffer 25:
Einer öffentlichen Bekanntgabe das ganzen oder nur des wesentlichen Inhalts dieser Grundzüge in der amtlichen Presse…in Schülerzeitungen usw. diese gemeinnützige, vaterländische Sache zu unterstützen, stehen von seitens des stellv. Generalkommandos keine Bedenken entgegen. Jedoch wolle die Gefahrfrage (vergleiche Ziffer 1) dabei nicht erörtert, sondern nur von der „notwendigkeit, die Felder zu schützen“ gesprochen werden.
Die Obrigkeit wollte  Panikmache in der Bevölkerung verhindern.

 

Schüler-Handarbeit 1914/18

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Wannweiler Konfirmanden im Jahr 1916
Die Mädchen fertigten Ausrüstungsgegenstände für die Soldaten im Feld. Oberlehrer Henne schrieb an das Schulamt folgenden Brief:

Brief vom Schulvorstand Wannweil an das königliche Evangelische Bezirksschulamt Reutlingen
Wannweil, den 7. Januar 1915
Betreff: Ausrüstungsgegenstände für die Soldaten
Aus dem Depot des Roten Kreuzes in Reutlingen sind an die hiesige Schule 84 Kg feldgraue Wolle abgegeben worden. Aus dieser fertigten die Schülerinnen unter Anleitung der Arbeitslehrerinnen folgende Ausrüstungsgegenstände:
159 Paar Socken
5 Paar Handschuhe
16 Paar Stößer
69 Paar Kniewärmer
36 Stück Halsbinden
18 Stück Leibbinden
Sämtliche Artikel wurden der Sammelstelle des Roten Kreuzes in Reutlingen überliefert.
Gez. Henne

 

Feldpost 1914

 

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Feldpostkarte Foto: Verwundete gefangene Franzosen in Münsingen.

Postkarte von Ludwig Gutbrod Reutlingen, Ottilienstr. 12 an Landwehrmann Martin Knoblich Schweinfurt, Reserve-Lazarett.
Reutlingen, 22. September 1914, Lieber Schwager! Da Du schon so lange fort bist und die Versprechen mir einmal zu schreiben bis jetzt nocht eingelöst hast, sind wir begreiflicher Weise in Sorge wie es Dir geht, insbesondere, wenn wieder eine Hiobsbotschaft kommt.  Ich bitte Dich deshalb um Mitteilung, insbesondere über den Verlauf Deiner Heilung und wünsche Dir von Herzen gute Besserung. Herzlich grüßt Dich Dein Schwager Ludwig mit Familie.

 

Vergessenes Schwäbisch, gägen

Mostfässer im „Kear“ des Küfermeister RillingDas Haus, den Keller, die Mostfässer und den Rilling-Frieder gibt es nicht mehr.

Was bleibt, ist die Erinnerung an alte Traditionen und an den schwäbischen Dialekt des Ähne.
Wenn das Mostfass nicht mehr “lauft” sagt der Ähne: jetzt müsse mir in den Kear und das Fass gäge. Es wird vorsichtig in Schräglage gebracht dass auch der letzte räse  Mostrest den Weg aus dem Faßhahnen findet. Wenn der Ähne ein “Gäger” ist, muß  das Faß bälder gegägt werden, dafür gerät der Ähne öfters in Schräglage und muß aufpassen dass er nicht “umgägt”. Hat der Bub argen Durst, sagt die Mutter: Bua gäg den Most et so na, trink au gstät.
Die Mosterei der Dahrlehenskasse hatte mehrere Handwagen mit eisenbeschlagenen Rädern und aufmontierten Holzfässern. Damit konnte der frisch gepresste Saft von der Mostete nach Hause gekarrt werden. Wer nicht gerade im Tal wohnte, brauchte kräftige Helfer zum schalten (schieben) des schweren Mostwagens. Dafür brauchte man an dem am Hang stehenden Wagen das Fass nicht gägen, wenn in dem roten Gummischlauch der Saft in den Keller rann. Noch früher trug man den Saft in Eimern in den Keller und füllte das Eichenfass mittels des Drächters. (Trichter)
Kommt der beladene Wagen an einer Anwand zum kippen ist er umgegägt. Wenn der Bauer durch Unvorsichtigkeit das Kippen herbeiführte, hat er den Wagen “umgekeit”.