Ergebnis der Spendenaktion des Wannweiler Ostermarktes 2016

Die knapp 60 Anbieter des Wannweiler Ostermarkts 2016 spendeten gestern einen Teil ihres Erlöses zugunsten des „Mensa-Sozialfonds“, dem Projekt des Fördervereins der Uhlandschule Wannweil.

Die Zählung der Spendenumschläge ergab nun, dass ein Spendenbetrag von insgesamt 1.090 € zusammengekommen ist. (Zum Vergleich: Ostermarkt 2015, 80 Anbieter, 1200 €).

Mit den Einnahmen aus der Karotten-Tombola (650 €), die der Förderverein selber organisiert hatte, kommen dann insgesamt 1740 € für den Mensa-Sozialfonds zusammen (2015: 1697 €).

„Der Förderverein der Uhlandschule bedankt sich bei allen Spendern, die zu diesem guten Ergebnis beigetragen haben. Mit dem gespendeten Betrag von 1.740 € kann der Mensa-Sozialfonds rund ein Jahr lang finanziert werden“, freut sich Volker Steinmaier, Vorsitzender des Fördervereins der Uhlandschule. „Damit kann der Förderverein auch denjenigen Schülern ein warmes Mittagessen ermöglichen, deren Eltern die Mensa-Beiträge nicht bezahlen können.“

Wannweil, 20.03.2016
Volker Steinmaier
Organisator Ostermarkt 2016

Anmerkung:

Wegen der Landtagswahl wurde der Ostermarkt von einem angestammten Termin (zwei Wochen vor Ostern) um eine Woche auf den letzten Samstag vor Ostern verlegt. Diese Terminverlegung war ursächlich für die Reduzierung der Teilnehmerzahl (2015: 80 Anbieter, 2016: rund 60 Anbieter). Mit 60 Teilnehmern war der Markt aber immer noch deutlich größer als der Weihnachtsmarkt 2015 (46 Anbieter).

Albwanderung um 1930

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Wandergruppe unterwegs beim Rucksackvesper.

Die beiden sonntäglich gekleideten, von links sind  Wilhelm Gaiser, Brühlstraße (1909-1978) und Theodor Gaiser, Zimmermann (1908-1991), als  Vetter 4. Grades gerade noch miteinander verwandt. Sie passen nicht so recht zu den drei Zünftigen.  Sie haben auch keinen Rucksack, aber ein Vesper dabei. So richtigen Hunger scheinen sie auch nicht zu haben. Die drei mit den „Knickerbockerhosen“ hauen ja richtig rein, bis zur „Bewegungsunschärfe“ des Bildes. Die Jahreszeit scheint dem Winter näher zu sein als dem Frühling, es liegen noch Schneereste. Der rechts im Bild sitzende hat die richtigen Stiefel an, Bergstiefel mit Nägel an den Sohlenkanten. Da können die Gaiservettern mit ihren Sonntagsschuhen nicht mithalten.
Der Schriftsteller Cees Nooteboom schrieb einmal in einer Erzählung „Bei Fotos ist immer wichtig, wer nicht drauf ist, aber woher soll man das wissen? Ich meine, wenn man die Menschen auf dem Foto nicht kennt kann man auch nicht wissen, wer fehlt. Das ist der Unterschied.“ (Nachts kommen die Füchse, Seite 39).
Dass die beiden Gaiser den Fotografen kennen, bin ich mir ganz sicher, sonst wäre  dieses Foto nicht im Familienbesitz. Vermutlich war es  der Bruder von Theodor, der Zimmermann Gustav (1905-1988), er war ebenfalls ein begeisterter Wanderer.

Bildbetrachtung von Walter Ott

Vor 80 Jahren, Baubeginn Gemeindehaus

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Vor 80 Jahren, am 12. Februar begannen die Aushubarbeiten zum Gemeindegaus. Innerhalb 10 Tagen wurde von Freiwilligen 520 m² Erde mit Pickel und Schaufel ausgehoben. Der damalige Bürgermeister Albert Zanzinger fotografierte und schrieb:

„Und siehe, als die Arbeit begann, da zeigte sich auch der Erfolg. Unter der Leitung unseres bewährten Fronmeister Lutz begann die freiwillige Arbeit am Mittwoch den 12. Februar 1936, vormittags acht Uhr. Zuerst kamen sie zögernd und dann immer zahlreicher. Es kamen Bürger, an die kein Mensch gedacht hätte und am Samstagabend war bereits über die Hälfte des Fundaments ausgegraben. Die Grabarbeiten gingen deshalb so schnell vorwärts, weil wir auf dem Platz eine Scheinwerfervorrichtung angebracht hatten, so dass jeden Abend bis 10 Uhr gearbeitet werden konnte, auch war das Wetter überaus günstig. Es war leicht und doch nicht zu stark gefroren, so dass eine gute Arbeit möglich war. Den frühzeitigen Beginn der Arbeit verdanken wir unserem Fronmeister, der immer auf möglichst baldigen Beginn drängte.

Am Montagabend kam der Gesangverein, am Dienstag der Sportverein, am Mittwochabend der Schützenverein und an Donnerstag   die Freiwillige Feuerwehr, so dass die Arbeit mit Riesenschritten vorwärts ging.  Am Samstag, den 22. Februar war die Arbeit bis auf kleine Reste beendet. Rund 520 m³, also das ganze Fundament hat die Einwohnerschaft in einmütiger und freudiger Gemeinschaftsarbeit am Gemeindehaus ausgegraben. Auch das Schnurgerüst zum Bau wurde unter der Leitung von Fronmeister Lutz und unter Mithilfe der Zimmerleute Christian Lutz, Wilhelm Henes und Wilhelm Schmied in freiwilliger Arbeit erstellt. Eine große Arbeit war geleistet und noch grösser war die Freude nicht nur des Bürgermeisters, sondern vor allem auch der Einwohnerschaft, über diese stolze Arbeit‚ die immer und solange das Gemeindehaus steht, von der Opferbereitschaft und dem Gemeinschaftssinn unserer Gemeinde zeugen wird. Was man früher nicht zu denken wagte, wird heute im dritten Jahre A. H. Wirklichkeit.“

Begegnung in der Hauptstraße

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Eine zufällige Begegnung in der Wannweiler Hauptstraße

Die Hauptstraße zwischen dem Gasthaus Zum Hirsch und dem Gasthaus Zum Ochsen.  Auf der Straße begegnen sich ein Hochzeitszug und ein Güllenwagen. Der Fotograf ließ etwas Abstand zwischen den gegensätzlichen Handlungen. Sie sind sich natürlich nicht ohne Gruß begegnet: „So kommet ihr von der Kirch?“ mag die Bäuerin gefragt haben. „Ja, machet auch bald Feierabend“ könnten die Hochzeiter im vorbeigehen geantwortet haben. Es ist eine kleine unbekannte Gruppe, voraus ein älteres Paar, sie in Tracht mit Schappel, er im Anzug mit Zylinder. Vielleicht die Brauteltern? Hinter dem Brautpaar ein städtisch gekleidetes Elternpaar vor zwei Herren mit Gehrock und Zylinder. Schade dass wir Zeit und Anlass nicht mehr herausfinden können. Sie bewegen sich gerade vor dem Haus des Kronenwirt-Albert, heute Hauptstraße 19. Ganz links im Bild, vom Rathaus halb verdeckt, das Gasthaus Zum Hirsch, 1888 erbaut und 1978 abgebrochen. Das Rathaus hat noch einen Dachreiter mit Glocke.  Daneben das Haus des Forstwart Digel. Die Einfahrt, (Einfahrtstraße 1) besteht damals noch, sie wurde aber bald darauf teilweise abgebrochen um die Einfahrtstraße, welche zum 1936 eingeweihten Gemeindehaus führt, anzulegen. Später richtete Otto Schwarz hier ein Bekleidungsgeschäft ein, heute ist in den Geschäftsräumen ein Frisörsalon. Vor dem Haus Hauptstraße 15, welches 2003 grundlegend und denkmalgerecht renoviert wurde, steht ein Elektromast. 1909 wurde die Erdöl-Straßenbeleuchtung durch 10 elektrische Lampen ersetzt. Der Strom wurde von Müller Werner und dem Kraftwerk Herrenberg geliefert.
Die Straße ist geschottert und gewalzt und beidseitig mit Kandeln entwässert. 1891 wurde sie von Kirchentellinsfurt bis Betzingen korrigiert. Die Gemeinde Wannweil wurde mit 55.000 Mark belastet. Nach dem Krieg wurde die Hauptstraße geteert.

Wirtshausgeschichten, der „Ochsen“

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Wirtshausgeschichten
Mit Johann Jakob Wollpert, dem ersten Wannweiler Ochsenwirt, beginnen wir unsere Wirtshausgeschichten. Im reichsstädtischen Wannweil, 1772 geboren und 1791 geheiratet, wird seine Schildwirtschaft „Zum Ochsen“ in der Oberamtsbeschreibung 1824 als einzige Wirtschaft im Ort erwähnt. Wannweil mit seinen 500 Einwohnern gehörte nun wie die frühere freie Reichsstadt Reutlingen zu Württemberg. Die Schildwirte gehörten zur dörflichen Ehrbarkeit und waren höhergestellt als die Bauern, sie begleiteten oft auch das Amt des Schultheiß, Richter, wie unser Johann Jakob, oder Heiligenpfleger. Die Konzession zu einer Schildwirtschaft konnte erlangt werden, wenn der Wirt Unterkunft für Gäste und Pferde bieten konnte, er durfte gegenüber den Schankwirtschaften alleine warme Speisen anbieten. Bedingung war auch, dass im Ort Schmiede, Wagner und Sattler ansässig waren. Es begann eine Zeit, die man heute als Aufschwung bezeichnen würde. Als nach der 1848er-Revolution das Land politisch ruhiger wurde, kamen die Pläne zum Bahnbau in Gange. 1861 fuhr die erste Eisenbahn durch den Ort und fast zeitgleich entstanden die beiden Textilfabriken. 1890 hat sich die Einwohnerzahl gegenüber 1824 verdoppelt. Der Reutlinger Chronist Carl Bames schreibt in seinem Gedicht zum Bahnbau:
Beim Fuhrwerk haben unsre Gäul
geführt viel Kies und Stein,
die trugen unsrem Ort Wannweil,
manch blanken Taler ein.
Ich denke, davon sind auch einige Taler in die Truhen unserer Ochsenwirte gerollt.

Das Gasthaus „Zum Ochsen“

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Gedanken über das Wannweiler Gasthaus „Zum Ochsen“

Die ehemalige Wannweiler Schildwirtschaft „Zum Ochsen“ wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Johann Jakob Wollpert eröffnet und konnte über vier Generationen an die Söhne weitergegeben werden. Letzter Ochsenwirt war Georg Wollpert, er starb 1954 im Alter von 82 Jahren. Schon 1941 wurde die Wirtschaft altershalber an den Landwirt Johannes Schmid, den „Schmid-Hannes“ verpachtet. Im Volksmund blieb das Gebäude noch eine Zeit lang der „Ochsen“, auch wenn 1954/55 die Fenster der Gaststube einer Schaufensterfront weichen mußten. Die Konsumgenossenschaft baute ein Ladengeschäft ein. Seit 1967 wurde der Laden von der Fachdrogerie Stauber knapp 20 Jahre weitergeführt. Es folgte eine Videothek, ein Fotostudio, weitere Kleingewerbetreibende und derzeit freuen sich die Wannweiler an einem Obst- und Gemüseladen. Das Gebäude ist aber immer noch im Wollpertschen Familienbesitz, auch wenn die Besitzer den Namen Braun tragen.
Der recht spannenden Geschichte dieser Wirtsfamilie, welche uns zu zwei weiteren „Ochsen“ und anderen Gasthäusern in der Umgebung führt, ist die Wollpertfamilie bei ihrem Treffen am 6. Januar 2016 nachgegangen. Viele, welche nicht mehr den Namen ihrer Ahnen tragen, wussten nicht, dass der erste Ochsenwirt Johann Jakob Wollpert ihr Ur-ur-ur-Ähne ist.  Das hat sich nach dem Vortrag über die Ochsenwirte geändert.

Wannweil – gestern und heute